Hier beginnt gerade eine Medienrevolution

Hier beginnt gerade eine Medienrevolution
Die klassischen Medien kämpfen seit Jahren mit sinkenden Leserzahlen und Einnahmen. Ein Schweizer Start-Up könnte diesen Trend verstärken.

Quelle: Youtube Screenshot Imagespot

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Die Auflagen der meisten grossen Tageszeitungen im deutschsprachigen Raum haben sich seit 1991 fast halbiert (Quelle). Damit verbunden sind nicht nur schmerzhafte Umsatzrückgänge, sondern auch tiefgreifende Kosteneinsparungen mit negativen Auswirkungen auf die Medienvielfalt und der journalistischen Qualität. Wurden viele Storys früher mit aufwändiger Recherchearbeit selber erarbeitet, bedienen sich heute immer mehr Tageszeitungen günstigen Standardinhalten von Newsagenturen. So unterscheiden sich viele Zeitungen nur noch durch die Frontseite oder dem Logo.

Quelle: de.statista.com

Förderung der Medienvielfalt

Diesem Negativtrend will ein kleines Start-Up aus der Schweiz entgegenwirken. «Unsere Vision ist die Förderung der Medienvielfalt – indem wir, typisch schweizerisch, den Journalismus demokratisieren» freut sich Patrik Schneider, Mitgründer von Newspicking.com. „Über unsere Plattform soll jeder die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen eigenen Newskanal zu betreiben – um damit individuelle Inhalte zu verbreiten und Abonnenten für die Kommerzialisierung zu gewinnen» erklärt uns der Jungunternehmer und fährt gleich fort: «Mittlerweile ist doch jeder von uns in irgendeinem Gebiet ein Spezialist mit vertieften Kenntnissen. Newspicking ist eine Chance für alle, die ihr Wissen aus Beruf und Freizeit mit anderen teilen wollen».

 

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Medienhäuser nicht offen für Innovationen

Dabei war die Idee am Anfang eine ganz andere. Mit einem «iTunes für Medienhäuser» wollten die Gründer von Newspicking vor über drei Jahren eine Plattform entwickeln, die den gebeutelten Medienunternehmen wieder Geld in die Kasse hätte spülen sollen. Genau wie bei der Musikplattform iTunes hätten Tageszeitungen und Newsmagazine ihre Inhalte einzeln zum Rappenpreis über Newspicking verkaufen können. Im Einzelverkauf von Inhalten sahen die Newspicking-Gründer eine effektive Möglichkeit, die Umsatzrückgänge der Medienhäuser zu kompensieren.

Die angefragten Tages- und Wochenzeitungen sahen das jedoch anders. «Keiner glaubte an uns und unser Geschäftsmodell. Zudem hatten die meisten der Medienunternehmen Angst vor Veränderungen und einem steigenden Wettbewerb durch die Öffnung der Plattform für private Blogger» resümiert Schneider. «So haben uns die Medienhäuser auf die eigentliche Idee gebracht, eine offene Newsplattform für Privatpersonen, Blogger, Organisationen, Vereine und freie Journalisten zu entwickeln – mit der Möglichkeit, die Inhalte ab einer gewissen Anzahl von Abonnenten kommerzialisieren zu können».

 

Qualität vs. Fakenews

So wurde aus dem iTunes für Medienhäuser ein YouTube für Blogger und jene, die es noch werden wollen. Bis Newspicking so erfolgreich ist, wie das Vorbild aus San Bruno (Kalifornien), müssen noch viele Hürden überwunden werden. Auf das Problem der Fakenews angesprochen reagiert Schneider engagiert: «Wie bei anderen Plattformen und Tageszeitungen kann es auch bei Newspicking zur Veröffentlichung von Fakenews und Verschwörungstheorien kommen. Wir arbeiten jedoch mit Hochdruck an kreativen Massnahmen, um Trash-Content möglichst zu verhindern oder zumindest als solchen deklarieren zu können».    

Bezüglich der Qualität vertritt das gegenwärtig siebenköpfige Team geschlossen denselben Standpunkt. Nicht Newspicking definiert was Qualität ist oder nicht, sondern die Leser tun dies – indem sie Artikel lesen, bewerten oder Newskanäle abonnieren. «Bis jetzt haben die Medienkonzerne entschieden, wie Qualität definiert wird und was wir zu lesen haben – mit Newspicking liegt die Entscheidung in Zukunft beim Leser, der sich seine Lieblingsartikel einfach herauspicken und bevorzugte News-Kanäle kostenlos abonnieren kann.

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Kommentare

Naja, ob das wirklich klappt? Ich weiss ja nicht.
Hallo Sina, danke für dein Feedback :-) Da hast du natürlich Recht, keiner weiss ob Newspicking sich in die gewünschte Richtung entwickeln wird. Daher gibt's nur eine Möglichkeit es herauszufinden: Lass es uns einfach versuchen und sehen was passiert. Scheitern ist keine Schande wenn man es aufrichtig tut ;-)
Wo liegt denn hier der Unterschied zwischen Twitter, Facebook, Instagram, Tunblr, etc. Da kann ich ebenfalls Fotos und Texte veröffentlichen. Ist es nicht einfach wieder eine Plattform mehr?
Danke für die Frage. Ich werde versuchen, deine Frage differenziert zu beantworten:

Facebook
- Nebst den Skandalen kannst du bei Newspicking - ähnlich wie bei Youtube Geld mit deinen Inhalten verdienen sofern du die Kriterien erfüllst.
- Zudem ist Facebook anders positioniert. Du hast dort viele Freunde und Bekannte die deine Posts lesen. Bei Newspicking hast du evt. ein viel grösseres Publikum, also fremde Leute, die nicht wegen dir, sondern wegen deinen Blogeinträgen auf deinen Kanal stossen
- Fazit: Du kannst auf Facebook wie überall dieselben Inhalte veröffentlichen. Bei Newspicking tust du das in einem interessanteren Umfeld.

Twitter
- Nun, bei Twitter macht sicherlich mal die begrenzte Anzahl an Zeichen den grössten Unterschied. Wir sind der Meinung JE MEHR ZEICHEN, DESTO HÖHER DAS NIVEAU. Wir sind z.B. der Meinung, dass man als Präsident der USA nicht über Twitter kommunizieren soll. Es gibt Dinge, die soll man zwar einfach erklären, das bedeutet aber nicht, dass dafür nur 280 Zeichen verwenden sollen
- Du kannst bei Twitter kein Geld mit deinen Inhalten verdienen. Sprich: Dank Newspicking kannst du dir ein Business aufbauen wenn du die Kriterien (Abos, Leser, Bewertungen) erfüllst

Instagramm
- Ja, also Instagram würde ich persönlich jetzt nicht als Newsplattform bezeichnen. Klar kannst du da auch Inhalte veröffentlichen. Ich denke dabei handelt es sich aber um eine andere Zielgruppe von Lesern.

Tumblr
- Wenn schon, dann ist uns Tumblr am ähnlichsten - oder umgekehrt. Tumblr ist uns aber zu unstrukturiert, für die Kommerzialisierung ist Tumblr auch nicht sehr geeignet.

Du siehst, man kann heute Inhalte über tausende von Plattformen veröffentlichen. Wir behaupten auch nicht dass wir besser sind, wir sind einfach anders ;-)

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